Montag, 21. Mai 2018

Vom Stoffe-Fälschen

Mehr vom Projekt Treppenquilt. Es macht Spaß, es ist erhellend, es macht süchtig. Und es fordert Dinge von einem, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Was macht man zum Beispiel, wenn man die letzten Fitzel eines Stoffs für etwas verwendet hat, das noch einige Male öfter im Leben vorkam - wie man erst später realisiert? Man sucht einen passenden Untergrund, schnappt sich Stoffmalfarben und Pinsel und geht unter die Stoff-Fälscher (siehe oben).

Die Tagebücher, die mich durch die Jahre begleitet haben, werden alle nochmal gelesen (oder zumindest überflogen). Was würde ich ohne sie machen? Ich bin froh, dass ich sie habe. Wie schwierig es ist, die ersten zehn, zwölf Jahre zu rekonstruieren, für die es keine Aufzeichnungen gibt...

Donnerstag, 17. Mai 2018

Nicht wärmend, nur zierend

Ich mag es einfach. Wenn mir ein Schnitt gefällt, nähe ich ihn gerne mehrmals. Nach der dunkelblauen Kimonojacke mit alten Sari-Bändern und der leuchtend blauen mit goldenen Punkten ist dies die dritte Kimono-Jacke nach dem Schnitt Japan Inspired aus der Ottobre 2/2015. 
Auch diese Jacke hat keinen Verschluss, und aufgrund ihres Materials (einem Kreppstoff) wärmt sie auch überhaupt nicht. Aber an diesem Stoff konnte ich nicht vorbeigehen - als ich ihn in einem hiesigen Stoffladen sah, wusste ich im gleichen Moment, dass ich daraus so eine Jacke nähen würde.


Mittwoch, 16. Mai 2018

Feuerwehr und Flugzeuge

Bei den überraschend sommerlichen Temperaturen in den letzten Tagen hier in St. Petersburg wurden kurzärmelige T-Shirts benötigt. Genäht habe ich den Schnitt C'mon aus der Ottobre 1/2014 in Größe 140 - ein Schnitt mit etwas weiterer Passform, gedacht für kräftigere Kinder. Bei meinem schlanken Jungen fallen die T-Shirts deshalb, wie ich es wollte, schön locker. Die Stoffe hat er sich selbst ausgesucht. Auch mit sieben Jahren ist das Thema Feuerwehr offensichtlich noch aktuell. Aber statt ICE gibt's jetzt Flugzeuge...

Samstag, 12. Mai 2018

12 von 12 im Mai

Es ist Samstag, der 12. Mai, und deshalb gibt es hier - wie an fast jedem 12. des Monats - 12 Bilder des Tages. Nach dem Frühstück machen das Mädchen und ich uns auf den Weg. Sie hat um 10:00 Uhr Ballettunterricht. Seit Tagen freuen wir uns hier in St. Petersburg über blauen Himmel und Sonnenschein.

In Vorbereitung der Fußball-WM wird in der Stadt renoviert und gebaut, was das Zeug hält. Weil immer noch ein Stück vom Nevski gesperrt ist, fahren wir mit der Metro und laufen das letzte Stück zu Fuß. Die Straße ist gerade neu asphaltiert worden; die Straßenmarkierungen sind erst ein paar Tage alt.


Beim Ballettunterricht dürfen die Eltern nicht zugucken. Ich sitze mit einer Mexikanerin, einer Französin, einer Peruanerin und einer Russlanddeutschen im Vorraum. Wir unterhalten uns miteinander, bis die Mädchen aus dem roten Tanzsaal (красный зал) kommen und sich wieder umziehen.


Auf dem Rückweg kommen wir an der Kasaner Kathedrale vorbei. In den letzten Tagen ist es grün geworden. Was für eine wundervolle Zeit! Das Mädchen und ich tragen Sommerkleider und laufen mit nackten Beinen und frieren nicht. Vor genau einem Jahr hatten wir am 12. Mai gerade mal 5 Grad.


Zu Hause muss noch etwas gesaugt und geputzt werden. Aber bei diesem Licht in der Wohnung und mit Musik in den Ohren macht sogar das Spaß. Zum Beispiel mit Tango in Harlem (Touch&Go), Luna Misteriosa (Buscemi/Luigi Catalano), Fine Time (Robert Palmer), Goodbye (Feder/Lyse), Toxic (Alex&Sierra)...

Dann kommen der Mann und der Junge vom Einkaufen zurück. Heute Abend haben wir Gäste. Die Kinder helfen beim Aus- und Einräumen. Zum Mittagessen gibt es Linsensuppe und Schwarzbrot - nicht sehr ansehnlich, braun mit braun, aber lecker und sicher sehr gesund.

Ich drucke Briefmarken aus, verziehe mich für eine halbe Stunde ins Arbeitszimmer und frankiere die gestern beschrifteten und mit selbstgenähten Stoff-Postkarten gefüllten Briefumschläge. Bald wird es viel schöne Post geben, ich freue mich schon auf die nächsten Donnerstage, wenn der Kurier kommt...






Während der Mann mit den Kindern im Park spazieren geht, fange ich an, das Essen für den heutigen Abend vorzubereiten. Ich mache Kräuterbutter und Knoblauchbutter. Außerdem gibt es verschiedene grüne Salate, Tomaten mit Mozzarella, Reissalat mit Erbsen und Mais, Käse und frisches Baguette.


Zum ersten Mal im Jahr werden wir auf der Terrasse sitzen. Tische und Stühle werden hinaus getragen. Die Terrasse geht nach Norden, aber im Sommer wandert die Sonne soweit herum, dass man morgens und abends in der Sonne sitzen kann.

Die Kinder bekommen Decken und Kissen, um auf dem Boden zu picknicken. Vorwiegend selbstgenähte natürlich. Von oben nach unten: Ein Schwarz-Weiß-Kissen, der Schwarz-Weiß-Quilt, ein Scraps-Kissen und ein Kissen aus Kona Cotton Solids in Türkistönen.



Es ist ein wunderbarer warmer Abend, der sich mehr nach Sommer anfühlt als nach Frühling. Wir genießen ihn in vollen Zügen, essen, trinken, unterhalten uns, schauen über die Dächer der Stadt und sehen zu, wie die Sonne allmählich sinkt. Im Hintergrund ragt der Lakhta Tower empor.

Als die Sonne untergegangen ist, wickeln wir uns in Decken ein und bleiben noch lange sitzen. Schön war's. Und wie war Euer Tag? Mehr Bilder gibt es wie immer bei Caro.

12 von 12 im Mai 2017

Montag, 7. Mai 2018

Treppauf, treppab

Ich stecke mit Haut und Haar in meinem Projekt Treppenquilt - nach den ersten Stufen kommen hier die nächsten. Was für eine Zeitreise... Wenn ich in einem alten Tagebuch lese und die damalige Zeit wieder auferstehen lasse, habe ich Schwierigkeiten, hin- und her zu schalten und problemlos wieder ins Hier und Jetzt zurückzukommen. Ein bißchen von Damals nehme ich jedes Mal mit in meinen heutigen Alltag. Es ist anstrengend, aber auch schön.

Liebe, Frust, Aufregung, Enttäuschung, Herausforderungen, Krankheit, Trübsal, Trauer, atemloses Glück, es ist alles dabei. Ein gutes Leben bisher, ich bin dankbar dafür. Mehr zu diesem Projekt demnächst...


Freitag, 4. Mai 2018

Zerrissen und geflickt

Wieder einmal ist eine Jeans von mir an unglücklicher Stelle gerissen - vermutlich, weil ich so oft auf dem Boden sitzend arbeite. Ich hatte mich schon fast damit abgefunden, sie wegwerfen, aber dann erwachten Trotz und Widerspruchsgeist in mir. Unsichtbar flicken würde mir nicht gelingen, das wusste ich. Dann halt sichtbar. Und wenn schon "destroyed", dann richtig. Damit die einzelne Stelle am Po nicht so auffällt, habe ich gleich die ganze Hose bearbeitet, mit auf- oder untergenähten Flicken aus Resten einer anderen Jeans, Rissen und vielen kleinen gestickten Kreuzstichen wie bei der Hose meines Sohns.



 Ein Tragebild gibt es später am Tag beim Me Made May...

Dienstag, 1. Mai 2018

Me Made May

Wie letztes Jahr mache ich beim Me Made May mit und habe mir vorgenommen, einen Monat lang jeden Tag mindestens ein selbstgemachtes Kleidungsstück tragen. Außerdem werde ich versuchen, möglichst verschiedene Stücke anzuziehen, nicht immer nur die selben Lieblingsteile.

Was ich anhabe, werde ich täglich auf Instagram zeigen, und am Ende des Monats gibt es eine Zusammenfassung hier auf dem Blog.